Pop_News_09.10.26
ÅSKVÄDER - GESCHREI ALS LOHN

ÅSKVÄDER - GESCHREI ALS LOHN

Ins Leben gerufen wurde das Quartett Åskväder bereits vor rund zehn Jahren. Doch richtig aufgeblüht ist es erst jetzt mit dem dritten Album „Wax“, welches als wuchtiges, großes Energiepaket in Erscheinung tritt. „Das liegt an unserer neuen Frontfrau“, ist Schlagzeuger Tim Ferm beim ZOOM-Interview felsenfest überzeugt. „Saga hat eine gewaltige Portion frischer, klarer, manchmal sogar bösartig schneidender Luft ins Spiel gebracht. Zuvor waren wir eher ein etwas langweiliger Herren-Verein.“
Tatsächlich sorgt Saga Flygare Täll dafür, dass die frühere Hardcore-Verkniffenheit sich in pure Positiv-Power verwandelt hat. „Oder drücken wir es so aus“, grinst Tim: „Wir haben jetzt endlich die Platte aufgenommen, die uns seit jeher vorschwebt. Was sehr viel mit Saga zu tun hat.“ Die grinst - in einem anderen Raum als Tim sitzend - eher schüchtern in die Kamera. Während sie murmelt: „Ich bin erst seit kurzem dabei, habe einen Sänger ersetzt, der anscheinend nicht ganz bei der Sache war und auch keine große Freude an seinem Job hatte. Wobei er mir den Staffelstab nicht im Streit überreicht hat. Er war eben kein hundertfünfzigprozentiger Musiker. Die ich wiederum unbedingt bin!“
Die vier Schweden haben mit „Wax“ jedenfalls ihre Bestimmung gefunden. „Das ist High Voltage-Rock“, schwärmt Ferm, „gepaart mit Hardcore Punk. Und immer mal fliegt uns auch eine hübsche kleine Pop-Melodie zu. Plus die Stimme von Saga irgendwo zwischen Chrissie Hynde, Doro Pesch und Bjørk. Wenn den Hörer so ein Mix nicht komplett umwirft!“ Saga kichert keck, als sie auf die Frage antwortet, warum es keine Balladen im Repertoire gibt. „Dafür haben wir absolut keine Zeit.“
Tim ist glücklich über den Umstand, dass er als Drummer nicht im Vordergrund des Geschehens ausharren muss. „Ab und an ein Interview zu geben, das ist okay“, grummelt er. „Ansonsten bin ich Mann. Und vor allem Skandinavier. Wir mögen das Rampenlicht nicht besonders. Den Job überlassen wir lieber taffen, hübschen Frauen wie unserer Sängerin.“
Dass Åskväder sich den harten Klängen verbunden fühlen, „liegt daran“, meint Saga, „weil wir früher alle in Hardcore- oder Punk- oder Metal-Gruppen zu Hause waren.“ Und jetzt, bringt Tim diesen Gedanken zu Ende, „rühren wir all diese Einflüsse in einem großen Topf zusammen. Ich selbst übrigens habe auch gegen eine hübsche Melodie nichts einzuwenden. Die ganze Zeit den Knüppel aus dem Sack zu ziehen, ist auf Dauer auch langweilig.“
Obwohl Saga und Tim beim Gespräch wie die „leader of the pack“ wirken, ist der wahre Chef Lead-Gitarrist Martin Gut. „Er kreiert die Basis aller Stücke, verfasst auch die meisten Texte. Und erst wenn die Grundbausteine stehen, feilen wir anderen Band-Mitstreiter zusammen an den Songs, geben ihnen den letzten Schliff. Wobei Martin kein Diktator ist! Tatsächlich sind wir zu hundert Prozent Freunde, die sich ihre Aufgaben je nach Talent untereinander aufteilen. Eine basis-demokratische Partnerschaft, das ist die Grundlage unseres Teamworks.“
Aktuell ist der Vierer dabei, für das nächste Jahr eine Tournee außerhalb der skandinavischen Grenzen zu organisieren. „Vor allem in Deutschland haben wir immer gerne live gespielt, das Publikum ist viel vitaler als bei uns in Nordeuropa. Wir wollen gnadenlos abrocken. Und dafür auch mit euphorischem Geschrei belohnt werden.“

MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
Foto: BENJAMIN LOEFQUIST
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