Pop_News_28.08.26
DEAD POET SOCIETY - INTIME STATEMENTS VERLORENER SEELEN
So richtig entscheiden, ob dieses Stilgebräu, das uns Dead Poet Society serviert, Punk, Alternative oder Stoner Rock ist, kann oder besser - will das Quartett aus Los Angeles gar nicht. „Dass wir in irgendeine Schublade gestopft werden, hat uns nie interessiert“, grinst Sänger und Gitarrist Jack Underkofler süffisant in die Kamera während des ZOOM-Interviews. „Wir wissen nur, dass wir definitiv nicht wie irgendeine andere Band klingen wollen. Das meiste passiert bei uns aus dem Unterbewusstsein heraus. Wir denken bei der Arbeit nicht viel nach. Stattdessen gibt es bei uns ständige Veränderungen. Weil wir uns bei jeglicher Form des Stillstands rasch langweilen.“
Drei der vier Mitstreiter der Gruppe fanden sich 2013 am „Berklee College Of Music“ in Boston. Nur Bassist Nick Taylor wurde ein Jahr nach der Gründung durch Dylan Brenner ausgetauscht. Ansonsten kam es zu keinerlei Umbesetzungen. Was bedeutet, dass die bisherigen drei Alben von denselben Leuten, heute allesamt in den 30ern, aufgenommen wurden.
Das aktuelle Werk nennt sich „Monarch“. Underkofler hält es für das abwechslungsreichste und emotional vielseitigste: „Was sicher daran liegt“, ist der smarte Bursche überzeugt, „dass wir dieses Mal keinen Druck von außen hatten. Die ersten beiden Scheiben erzielten ordentliche Verkaufszahlen, unsere meisten Shows waren ausverkauft. Das Label wäre dumm gewesen, uns bei der Produktion reinzuquatschen. Ich jedenfalls glaube, dieses Mal haben wir eine perfekte Gratwanderung zwischen Wut und Melancholie, Wucht und Fragilität hinbekommen. Ich bin nach wie vor stolz auf die Platte.“
Der Frontmann selbst hält sich „eher für einen melancholischen, denn für einen aggressiven Charakter“, meint er. „Um richtig auszurasten, dafür grüble ich zu viel nach. Ich bin mehr Kopf- als Emotionen-Mensch.“
Die meisten Texte stammen von ihm wie von seinem Namensvetter, dem Leadgitarristen Jack Collins. „Die meisten unserer Verse sind persönlicher Natur“, sagt er. „Auf politische Botschaften haben wir wenig Lust. Nur manchmal brennt uns etwas wie beispielsweise der rapide fortschreitende Klimawandel dermaßen auf den Nägeln, dass wir etwas dazu kommentieren müssen. Ansonsten gibt es die intimen Statements von verlorenen Seelen“, lacht Underkofler eher grimmig.
Der schlaue Schlaks sieht Dead Poet Society als „eine Handvoll dicker Freunde. Was bedeutet, dass wir uns gerne und oft in die Haare bekommen. Und genauso schnell wieder versöhnt sind. Das gehört zu einer richtigen Freundschaft dazu“, schmunzelt er.
Dass die Band mit ihrem 2021 veröffentlichten Debütalbum „-!-„ in den US-Charts auftauchte, überraschte den Vierer. „Allerdings auch nicht zu sehr“, stellt der Sänger selbstbewusst fest. „Denn ehe wir ins Studio gingen, haben wir jede Menge Live-Erfahrung gesammelt, konnten Songs auf ihre Wirksamkeit austesten. Das half immens bei der letztlichen Auswahl der Lieder auf Tonträger.“
Als Anfang 2024 der Nachfolger „Fission“ in den Handel kam, „waren wir schon einen großen Schritt weiter“, ist Underkofler überzeugt. „Wir hatten zuvor eine große Hürde übersprungen - dass es überhaupt Musik von uns zu kaufen gab.“
Ende dieses Jahres und 2027 hat man das nächste Hindernis vor sich: „Endlich den Markt außerhalb den USA zu erobern“, meint die selbst ernannte Rampensau. „Dafür geht es im kommenden Jahr auf weltweite Tournee. Im Februar seid auch ihr Deutschen dran, wenn wir München, Berlin, Köln und Hamburg in Grund und Boden rocken werden.“
MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK