Pop_News_31.07.26
JUPITER JONES - WIEDER RICHTIG ZURÜCK!
Bereits der Titel des neuen Albums von Jupiter Jones lässt aufhorchen: „Ich trag den Sarg, Du trägst was Buntes“. Der passt in seinem spielerischen Umgang mit Morbidität gar prächtig zum Gesamtkonzept des Duos aus der Eifel. Die Gruppe um Sänger Nicholas Müller und Gitarrist Sascha Eigner hatte seit jeher einen eigenwilligen Humor.
Der heute 51jährige Eigner war von Beginn an Gitarrist der Gruppe. Der knapp sieben Jahre jüngere Nicholas Müller war ab Gründung der Formation 2002 zwölf Jahre lang Sänger und gleichfalls Gitarrist der Alternative-Formation. Nachdem die Karriere des Quartetts aus der Eifel zunächst schleppend anlief, explodierte sie 2011.
Initialzündung war die steinerweichende Ballade „Still”, die im April ihres Veröffentlichungsjahrs 2012 zum meistgespielten deutschsprachigen Lied im nationalen Radio wurde und dort bis heute regelmäßig zu hören ist. Fortan schwamm der Vierer im Erfolgsfahrwasser, bekam 2012 einen „ECHO” verliehen und ist seitdem nicht mehr aus der einheimischen Musiklandschaft wegzudenken, obwohl ihr Sound weiterhin eher unangepasst klingt, die Texte klug, emotional und gelegentlich verschwurbelt sind.
Jupiter Jones waren an dem Punkt, auf den sie jahrelang hingearbeitet hatten: Ganz oben in den Charts, ohne sich künstlerisch verbiegen zu müssen. Doch dann schlug das Schicksal brutal zu: Im Oktober 2013 erschien „Das Gegenteil von Allem”, sechstes Album von Jupiter Jones. Im Jahr darauf sollte zwischen 7.3. - 26.4. im Rahmen einer Konzerttournee die Platte live präsentiert werden. Vier Tage vor Tourstart wurden sämtliche Auftritte abgesagt. Begründung: Nicholas Müller leidet an Angststörungen. Für die Fans kam es am 14. Mai 2014 noch knüppeldicker, als die Band über „Facebook” bekannt gab, dass Müller die Gruppe auf Grund seiner Krankheit verlasse und diese mit einem neuen Frontmann fortgeführt werden würde. Der Frontmann schien fortan wie vom Erdboden verschluckt.
„Diese Monate zwischen dem „Aus-den-Schlappen-Hauen” und „Neue-Musik-aufnehmen-wollen”, dieses „Sabbatjahr”, waren eine quälend lange Zeit für mich”, reflektiert Nicholas Müller im Gespräch. „Ich war oft genug alleine zu Hause, habe vor mich hin geklimpert und gesungen, aber ich saß gleichzeitig immer wieder tatenlos rum und starrte ins Leere. Tatsächlich trage ich die Angst-Symptome schon seit langer Zeit mit mir rum, die Panikattacken können bis zu 45 Minuten dauern. Und je häufiger man darunter leidet, desto größer wird die Angst vor der Angst.”
Mit Ende 20 prasselten die Attacken so geballt auf den heute 44-jährigen ein, dass „ich erkennen musste”, seufzt Müller, „mein Dasein nicht mehr alleine meistern zu können - als Konsequenz darauf zog ich eine Zeitlang zurück ins Haus meines Papas. Ich habe mich wirklich sehr dafür geschämt.”
Dass er bei Jupiter Jones aussteigen musste, weil er seinen Band-Kameraden nicht länger zur Last fallen wollte, erkannte der Sänger, „als ich meine erste Panikattacke auf der Bühne hatte. Die war bislang mein einziger angstfreier Raum. Das Thema war damit auch erledigt.”
2014 kehrte er ins Rampenlicht zurück mit dem Projekt Von Brücken. Der erneute Schritt in die Öffentlichkeit war mit einem schmerzhaften Prozess verbunden, bei dem Müller neben Ärzten und Medikamenten vor allem die Ehefrau, seine damals kleine Tochter und etliche musikalische Freunde unterstützten. „Panik-Attacken sind eine Zivilisationskrankheit”, ist Müller überzeugt. „Wichtig ist, dass man sich der Angst stellt und mit ihr arrangiert. Man muss der „Chef der Angst” sein.”
Heutzutage spielen die Panikattacken „keine große Rolle mehr in unseren Gesprächen“, erzählt Sascha. „Nicholas hat auch keine Angst mehr, auf eine Bühne zu steigen und ein Konzert durchzustehen. Der Weg dorthin hat allerdings eine Menge Energie, Willensstärke und Zeit etwa bei Therapeuten in Anspruch genommen. Doch der Aufwand hat sich gelohnt.“
Seit 2021 gibt es die „alten“ Jupiter Jones wieder, im Fokus stehen Müller und Eigner. 2022 erschien das siebte Album „Die Sonne ist ein Zwergstern“. Sascha meint dazu im Gespräch heute: „Das ist unsere schwächste Platte überhaupt. Wir waren damals noch nicht recht bei uns, mussten uns erst wieder finden.“
Dafür ist das Duo vom Nachfolger „Ich trag den Sarg, Du trägst was Buntes“ umso begeisterter. „Nicholas und ich sind mehr Freunde als je zuvor, auch wenn er in Münster wohnt, ich mittlerweile in Hamburg“, sagt Sascha. „Früher hat sich alles nur um die Musik gedreht. Heute gehen wir auch mal zusammen Schwimmen oder ins Restaurant. Außerdem haben wir beide halbwüchsige Töchter. So viel Gemeinsamkeit schlägt sich auch auf die Musik nieder. Wir fühlen uns stark wie nie zuvor. Gleichzeitig haben wir tolle musikalische Mitstreiter, so was wie eine Band. Besser hätte es jedenfalls nicht kommen können.“
Nächstes Jahr feiert die Gruppe 25jähriges Bestehen, die Durchbruch-Single „Still“ wird 15 Jahre alt. „Grund genug zum Feiern“, freut Eigner sich auf 2027. „Ich möchte noch nicht zu viel verraten, nur soviel: Es wird ein heißes Jahr - für uns wie für die Fans!“
MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
Foto: JUPITER JONES
TOURDATEN:
18.09.2026: Worpswede – Music Hall
19.09.2026: Köln – Die Kantine
20.09.2026: Oberhausen – Ebertbad
23.09.2026: Münster – Sputnikhalle
24.09.2026: Karlsruhe – Substage