Pop_News_17.07.26
Smokemaster - Neues aus dem Tempel

Smokemaster - Neues aus dem Tempel

Es hat sich einiges getan bei den Kölnern in den letzten 18 Monaten, ehe sie Smokemaster jetzt wieder „als richtige Band“ sehen, wie Keyboarder Tobias „Tacki“ Tack im ZOOM-Interview feststellt. Und Schlagzeuger Lukas Bönschen fügt hinzu: „Die erste Zeit nach unserer Gründung 2018 hat sich nichts geändert. Doch dann stieg unser Frontmann Björnson Bear aus, weil er sich beruflich anders orientiert hat. Auch musikalisch waren unsere Vorstellungen immer weiter auseinander gedriftet. Der Split war die notwendige Konsequenz.“
Plötzlich standen Smokemaster ohne Sänger da, obwohl bereits etliche Tele des Materials für das dritte Album IN THE TEMPLE komponiert waren. Man nahm Kontakt zu Jack McAfee auf, der ansonsten The Miracle Seeds anführt. „Jack brachte sich sofort voll ins Geschehen ein, schickte uns Songideen und ist verantwortlich für die meisten Texte“, erzählt Bönschen. „Außerdem brachte er uns, als The Beatles-Fan, ziemlich weg von früheren Stoner Rock-Einflüssen, mehr hin zu Flower Power-Pop. Dort fühlten wir uns eigentlich immer schon wesentlich wohler. Und weil die Stimme von John um einiges sanfter ist als die von Björnson, ist der aktuelle Sound um einiges locker-flockiger als auf unseren beiden ersten Platten.“
Doch damit nicht genug an Änderungen: Nachdem IN THE TEMPLE eingespielt war, „benötigten wir schon wieder einen Frontmann“, seufzt Bönschen. „Denn Jack ist wie gesagt Schotte, will von seiner Heimat nicht weg. Dadurch konnten wir keine Konzerte mehr spielen, das wäre alles zu aufwändig geworden. Zum Glück erinnerten wir uns an Patrick Rose, den wir schon eine kleine Ewigkeit kennen und der von Beginn an unsere erste Wahl als Sänger war, wenn er früher nicht bei anderen Projekten involviert gewesen wäre. Ein Anruf genügte und er war dabei. Jetzt können wir endlich wieder auf Tour gehen.“
Es gibt große Hereon, von denen der Fünfer sich Sound-technisch stark inspirieren lässt. „Wir stammen allesamt aus verschiedenen Musikrichtungen in frühen Bands“, erklärt Keyboarder Tobias, wie der Rest der Crew Ende 30. „Wir haben demnach unsere Idole. Aber diese Idole sind keine unnahbaren Super-Helden. Wir treten liebend gerne in ihre Fußstapfen.
Denn fürs Groupietum sind wir zu alt. Für Inspiration garantiert nicht. Übrigens hatten viele dieser Musiker ihre Glanzzeiten, ehe wir überhaupt geboren worden waren. The Lovin’ Spoonful etwa, Cream, The Byrds, ab und an auch die romantische Version von The Doors. Doch auch Tame Impala oder Colour Haze faszinieren uns.“
Bei Auftritten ist man eher der idyllischen „Woodstock“-Sekte zugeneigt als der unheilvollen „Altamont“-Gilde. Das Verwegene kommt live äußerst verwegen daher, das Fragile äußerst fragil. Kein Rock-Stein bleibt auf dem anderen. Wozu auch?

MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
Foto: TONZONEN-Records
Zu den Pop_News
tonart Ausgabe Sommer 2026/2

Magazin lesen
Musikfest Berlin