Pop_News_10.07.26
TORI AMOS - DRACHEN-WEISHEITEN
Seit Tori Amos zu Beginn der 90er auf ihren geliebten High Heels ins Licht der musikalischen Öffentlichkeit stöckelte, um sich auf der Bühne galant hinter dem nicht minder geliebten „Bösendorfer“-Flügel zu verschanzen, ist diese One-Woman-Revue eine Schau, im besten Sinne des Wortes. Musikalisch verortet zwischen Kate Bush und Joni Mitchell, steht die Anfang-Sechzigerin aus dem US-Bundesstaat North Carolina nicht nur für exzellenten Sound zwischen Folk, Rock und Klassik, sondern auch für geistreiche, einfühlsame, gerne mal provozierende Texte.
Jetzt hat die sensible (und ab und an vulgäre) Diva mit der herben Schale ihr 18. Album „In Times Of Dragons“ vorgelegt. Die Stücke darauf sind wie gehabt intensiv, nachdenklich, auch mal politisch und immer wieder provozierend.
Ansonsten ist der charmante Wildfang sicher: „Über die Definition, eine „moderne Frauen-Ikone“ zu sein, darüber denke ich lieber nicht nach. Was ich definitiv über mich weiß: Ich bin der Exzentrik verfallen. Habe teilweise sehr merkwürdige Ansichten über das Dasein per se. Findet übrigens auch mein Gatte, der mich seit bald 30 Jahren Jahren mal mehr, mal weniger erträgt“, lacht sie. „Er und unsere inzwischen 25jährige Tochter Tash schließen gerne Pakte gegen mich. Die haben mich schon mal als „Hexe“ bezeichnet und mir sogar Hausarrest erteilt. Tja, so ist das ab und an in einer chaotischen und dennoch wundervollen Ehe mit Kind.“
Ihre neue Produktion sieht Amos inhaltlich als „eine metaphorische Geschichte über den Kampf um Demokratie über Tyrannei, die die aktuelle, abscheuliche, nicht zufällige Vernichtung der Demokratie in Echtzeit durch den 'Diktator, der an Echsendämonen glaubt' in ihrer Usurpation Amerikas widerspiegelt“, philosophiert die Frau mit der feuerroten Mähne. „Es ist eine kraftvolle Reise der Widerstandsfähigkeit und des Erwachens, auf der das Streben nach Freiheit auf Kräfte trifft, die kontrollieren und zum Schweigen bringen wollen.“
Mit „In Times of Dragons“ bringt die Ausnahmekünstlerin jedenfalls erneut das Politische und das Persönliche in einem Werk zusammen, das mit der Dringlichkeit der modernen Zeit Hand in Hand geht. Die darauf zu hörenden Anliegen sind vielleicht wichtiger als je zuvor bei Tori Amos.
MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK