Pop_News_29.05.26
DARTAGNAN - RITTERLICH VERSPIELT

DARTAGNAN - RITTERLICH VERSPIELT

So richtig einzuordnen weiß der Musikfreund das Klangbild der fränkischen Band Dartagnan bis heute nicht wirklich: Ist das deutschsprachiger Folk-Pop? Explosiver Heavy-Rock? Oder gut gemachter Schlager, so was wie die männliche Ausgabe von Helene Fischer?
Zunächst mal steckt hinter dem Nürnberger Sechser ein „Gesamtkonzept”, wie Hauptsänger, Haupttexter, Dudelsack-Spieler und Flötist Ben Metzner erklärt: „Ich selbst”, bekennt der extrovertierte Zeitgenosse mit dem markanten Spitzbart, „bin schon seit etlichen Jahren in die deutsche Folk Rock-Szene involviert, ebenso meine fünf Mitstreiter. Außerdem habe ich immer wieder begeistert bei Mittelalter-Rollenspielen mitgemischt. Diese beiden Faktoren spielen garantiert eine Rolle für das Image unserer Band. Das Altertümliche, Romantisch-Verklärte zeichnet dieses Sextett aus.”
Metzner klüngelte das mittelalterliche Rundum-Glücklich-Paket zunächst mit einem Produzenten-Freund aus: „Als wir der Meinung waren, dass die Sache Eigendynamik und besonderen Stil besitzt, boten wir sie verschiedenen Plattenfirmen an. Die „Sony” war sofort schwer angetan davon - jetzt galt es, eine richtige Gruppe ins Leben zu rufen. So geschah es! Das Label legte im Anschluss rasch einen Vertrag vor, der wurde unterzeichnet - und plötzlich hatten wir gehörig Dampf unterm Hintern”, erinnert sich Metzner lachend, „denn die glaubten dermaßen fest an unsere Vision, dass sie diese ganz schnell realisiert sehen wollten.”
Dartagnan (benannt nach einem der legendären „Drei Musketiere” aus dem Roman von Autor Alexandre Dumas) ließen sich nicht lange bitten und stampften zusammen mit Produzent Thomas Heimann-Trosien, der schon für Gothic-Koryphäen wie Schandmaul, In Extremo oder Nightwish hinter dem Mischpult saß, in kurzer Zeit das Debüt „Seit an Seit” aus dem Boden. Ein Slogan für den Sound war rasch gefunden: „Musketier-Rock”. Dahinter steckt Musik, wie sie auf jedem Mittelalter-Festival für prächtige Laune sorgt, spätestens nach dem zweiten Krug Met. Und textlich haben sich D’Artagnan den ewigen Werten „große Taten, Heldenmut und schöne Frauen” verschrieben, wie auf ihrer Homepage nachzulesen ist.
Inzwischen feiern Dartagnan zehnjähriges Bestehen. jedes neue Album schaffte es in die Top Ten. „Das ist für einen Dudelsack-Spieler wie mich eine echt erfreuliche Auszeichnung“, schwärmt der Multiinstrumentalist. „Auch mit Ungewöhnlichem kann man Radio-kompatibel sein.“
Bei aller öffentlicher Präsenz halten sich die Romantiker um Ben „möglichst wenig im Hier und Jetzt auf, lieber in einer Welt des Entdeckens und des Abenteuers. Doch ganz entkommen wir der Realität natürlich nicht. Also machen wir das Beste daraus: einen Disney-Film á la „Fluch der Karibik“ in Tönen. Da fühlen wir uns zu Hause.“
Das zehnjährige Jubiläum wird gefeiert mit einem für die Gruppe eher ungewöhnlichen Album namens „Helden x Hymnen“. Darauf finden sich neben dem brandneuen Titelstück und vier Neueinspielungen bereits bekannter Lieder im Zentrum elf Coverversionen von unterschiedlichen Interpreten wie Phil Collins, Celine Dion oder Ozzy Osbourne. „Wir wollen mit dieser Auswahl überraschen, aber uns auch in Ehrfurcht verbeugen vor Typen wie Ozzy, Fleetwood Mac oder Mike Oldfield“, erklärt der 36jährige Metzner. „Uns war klar, dass man als Außenstehender die Songs erkennen muss. Aber dass sie immer „typisch Dartagnan sind.“
Stellt sich noch die Frage, warum die Moderne „Helden“ und „Hymnen“ benötigt? „Wenn ich als Musiker eine Hymne komponiert habe, dann kann ich sicher sein, dass dieses Lied überall auf der Welt verstanden wird, auch ohne die gesungene Sprache zu kennen. Insofern sind Hymnen im Repertoire der Traum jedes Musikanten.
Und Helden brauchen wir in unsicheren Zeiten wie den unseren umso mehr, weil sie für Konstanten stehen. Das können reale oder fiktive Figuren sein. Ein Gandalf oder Robin Hood wird genauso verehrt wie ein Martin Luther King oder Mahatma Gandhi. Ganze einfach, weil Helden ehrenwerte Leute sind und dadurch als Vorbilder dienen. Dadurch sorgen sie mehr für Völkerverständigung als irgendwelche Religionen oder politische Parteien. Ich bin mir sicher, wir benötigen mehr Hymnen und Helden, um aus unserem Planeten einen schöneren Ort zu gestalten.“

MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK


TOURDATEN:
30.10. Dresden, Alter Schlachthof; 31.10. Berlin, Huxleys Neue Welt; 6.11. Leipzig, Felsenkeller; 7.1. Hamburg, Große Freiheit; 12.11. München, Muffathalle; 14.11. Stuttgart, LKA-Longhorn; 19.11. Frankfurt/Main, Batsckapp; 20.11. Hannover, Capitol; 21.11. Oberhausen, Turbinenhalle 2; 27.11. Köln, Carlswerk Victoria; 28.11. Nürnberg, Löwensaal.
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