Pop_News_16.05.26
Devin Townsend - Metal-Musical
Devin Townsend ist gleich zu Beginn des ZOOM-Interviews vollkommen ehrlich: „Eigentlich komme ich total aus der Heavy Metal-Ecke“, meint er. „Aber dieses Angebot konnte ich nicht ausschlagen. Wenn dich das renommierte North Netherlands Orchestra & Choir aus Amsterdam hochoffiziell anfragt, ob sie einige deiner alten Stücke in ein modernes Musical-Arrangement packen dürfen, habe ich dazu zwar „Nein“ gesagt. Dafür habe ich den Orchestratoren Joseph Stevenson und Niels Bye Nielsen auf der Stelle angeboten, mit mir eine Komposition anzugehen, die seit Jahren in meiner Schublade liegt. Es handelt sich dabei um THE MOTH, wieder mal ein groß angelegtes Konzept, dieses Mal für Orchester, Chor und sogar Ballett. Alles passte ganz wundervoll zusammen!“
In THE MOTH geht es laut dem 54jährigen Mastermind aus dem kanadischen Vancouver „nur vordergründig um diese kleinen Insekten, die unter allen Umständen nach dem Licht streben. Sie sind eine Metapher. Tatsächlich beschäftigt sich das Geschehen mit Individualität, Selbsterkenntnis, und damit, sich unangenehmen Umständen zu stellen. Je länger ich mich diesem Akt der Selbstreinigung stellte, desto mehr nahm das Projekt kathartische Züge an. Das war schmerzhaft, aber notwendig.“
Tatsächlich hatte Townsend die Vision, dieses Werk anzugehen, „bereits seit meinem achten oder neunten Lebensjahr“, lächelt er versonnen. „Ob es mein „Opus Magnum“ ist, kann ich selbst nicht beurteilen. Außerdem bin ich noch nicht am Ende meiner kreativen Entwicklung angekommen. Aber ein gewichtiges Stück Musik in meiner Karriere ist die Platte unbedingt.“
THE MOTH schwelgt in Opulenz, was auch an Ausnahme-Gästen wie Steve Vai oder Anneke van Giersbergen liegt. Durch sämtliche Mitstreiter avancierte die Scheibe im Laufe der Jahre zu einer Art Metal-Musical, die düstere Version beispielsweise von BEAUTY & THE BEAST. „Die Metamorphose dieser Arbeit ist ungeheuerlich“, schwärmt Devin. „Zunächst herrschte hier ein Narrativ, für das es bereits musikalische Ideen gab. Alles war auf „groß“ eingestellt. Allerdings nahmen die Songs einen immer größeren Raum ein. Denn eine Story kann noch so spannend sein. Ohne eingängige Melodien interessiert sich kein Mensch dafür. Jetzt ist in meinen Augen und Ohren alles perfekt!“
MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
FOTO: K2 Agency
TOURDATEN:
15.9. Hamburg, Markthalle; 26.9. München, Werk7; 28.9. Köln, Stadthalle.