Pop_News_06.03.26
J B MEIJERS - WO DER ROCK ROLLT
Wenn ein holländischer Vollblut-Musiker mehrere Monate des Jahres auf der Karibikinsel Bonaire residiert, verwundert es nicht, dass auf diesem sonnigen Kleinod von Eiland nahe Curacao mit rund 20.000 Einwohnern vor Vitalität strotzende Songs herauskommen. Jan-Bart „J B“ Meijers nennt sich der Tausendsassa aus der niederländischen Universitätsstadt Delft, zwischen Den Haag und Rotterdam gelegen. J. B. wusste schon als Teenager, dass er von der Musik leben möchte. Deshalb fing der heute 53jährige früh an, im Haus der musikalischen Familie diverse Instrumente zu erlernen. Was sich bald auszeichnen würde: Als Mitglied der Gruppe Shine unterzeichnete er bereits mit 17 einen Vertrag beim Kult-Label „Virgin“.
Das Quartett spielte einen anregenden Mix aus Country, Bluegrass und Pop, bis 1995 nahm man Platten auf und tourte geballt. Doch das reichte Meijers auf Dauer nicht aus. So wurde er Teil der Band von Hollands Country-Diva Ilse DeLange, The Common Linnets. J B war dort nicht nur als Musiker zuständig, sondern verdingte sich auch als Co-Produzent. Aber auch damit nicht genug: Bis heute mischt Meijers bei Peter Maffay mit, er kollaborierte etwa mit Money Mark, den Beastie Boys oder Spiritualized und Giant Sand. Auch bei Daniel Wirtz mischt er mit, gleichfalls bei Johannes Oerding oder Boss Hoss.
Zurück in sein persönliches Paradies Bonaire: Nach Einsätzen als Trompeter bei Mercury Rev oder als Gitarrist bei Anastacia kehrte J B In sein persönliches Traumreich zurück. „Ich war voller Energie, Tatendrang und Ideen für Neues“, erzählt der Sonnyboy. „Lust auf Winterschlaf hatte ich jedenfalls keinen, stattdessen bis Ende 2024 stolze 15 Lieder komponiert, die gut genug waren, um sie aufzunehmen.“
Letztlich Auslöser dafür, die Platte einzuspielen, war für J B der „Anruf eines Freundes, dass ich die Chance hatte, beim „Wacken-Festival“ einen Gig hinzulegen. Allerdings nur dann, wenn ich eine beinharte Produktion an Bord hatte. Doch in diese Richtung gingen meine neuen Stücke ja eh“., begeistert er sich.
„Kein Wunder, dass sie „Rock Und Roll“ heißen würde. Ich wollte mich nicht wie früher in Orchestrierungen verlieren. Auch Synthesizer gibt es keine. Stattdessen harten, puren Stoff lediglich für zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang.“
Ist das nun „Retro“ oder „Vintage“, wie man diesen Sound bezeichnen sollte? „Aus irgendwelchen Kategorisierungen mache ich mir nichts“, sagt Meijers. „Was man auf der Platte zu hören bekommt, ist der Stoff, den ich selbst gerne hören möchte. Das Ganze ist ein Lebenselixier. Und auch ein Experiment für mich. Die Gitarren-Firma „Duesenberg“ hat ein extra Instrument für mich bauen lassen, ganz nach meinen Wünschen. Ein Monster-Teil! Sie ist der einzige Sechs-Saiter, den ich auf meinem aktuellen Werk spiele, was dem Ganzen einen speziellen Klang verleiht, ziemlich erdig.“
Spezielle Inspirationsquelle für dieses kernige Klangbild war der Heavy-Rocker Daniel Wirtz. „Der Junge spielt heftigen Stoff“, meint der Allrounder, „was man auf meinen aktuellen Songs prima hören kann. Daniel ist letzten Endes auch für den schlichten, eingängigen Titel der Produktion verantwortlich.“
Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit als Gastmusiker und der als Solokünstler? „Wenn jemand wie Daniel oder auch Peter Maffay bei mir durchklingeln, ist klar, dass ich für sie da bin und unterstütze“, argumentiert J B. „Solo ist alles viel einfacher. Da trage ich beim Aufnehmen die alleinige Verantwortung. Dabei zapft man nur ureigene Quellen an, versetzt sich nicht in die Gedankenwelt von jemand anderem. Man ist frei. Trägt aber natürlich die alleinige Verantwortung dafür, wenn ein Projekt floppt.“
Auch wenn J B die neue Scheibe wichtig ist („gerne Nummer 1 in den Charts weltweit“, feixt er), sind seine Erwartungen an „Rock Und Roll“ nicht allzu hoch. „Ich mache mir über Verkaufszahlen keinerlei Gedanken“, lacht er. „So etwas führt nur zu Enttäuschungen. Mir ist wichtig, dass ich Freude an meiner Arbeit habe.“
Was man kaum glauben möchte - der seit langem glücklich Verheiratete hat sehr unterschiedliche Idole im Köcher. In seinem herrlich schnodderig-gemütlichen Rudi Carell-Deutsch nennt er die Pop-Ikonen The Beatles, die Hardcore-Legenden Black Flag oder die Alternative-Pioniere Big Star als bahnbrechend für ihn. „Johann Sebastian Bach sollte man auf dieser Liste auch nicht vergessen“, schmunzelt Meijers. „Bei uns zu Hause lief rund um die Uhr Musik, das hat mich geprägt. Meine Mutter war Klassik-Fan. Mein Vater hörte Country oder Duke Ellington. Und beide zusammen The Beatles, das „Alte Testament der Pop-Musik“, wie sie die Pilzköpfe bewundernd nannten.“
Die eigene Band ist J B ungeheuer wichtig: „Wir sind wahre, zum Teil langjährige Freunde“, schwärmt er. „Es bringt nichts weniger als Freude, mit ihnen zu spielen. Vor allem live bei Konzerten! Wenn wir bald mal wieder auf irgendwelchen Bühnen stehen, ist das der Höhepunkt des Jahres.“
Dass „Rock Und Roll“ in der Karibik aufgenommen wurde, ist ein ganz entscheidender Faktor, erklärt J B überzeugt. „Die Landschaft in Bonaire erinnert mich an Arizona“, schwelgt er, „dort herrscht eine ähnliche Atmosphäre. Außerdem gibt es eine Menge Freiheit an jenem Ort, wie ich sie in Holland oder Deutschland spätestens seit dem Ausbruch von „Corona“ vermisse. Mir fehlt das, weil es vollkommen gegen meine Punk-Atiitüde ist. Es wird Zeit, dass wir endlich wieder lockerer werden. Wäre schön, wenn „Rock Und Roll“ dazu beitragen könnte.“
MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK
Foto: Plattencover