![]() | Pop_News_02.01.26 Florence+The MachineDie Kunst des Überlebens im Zeitalter des Verschwindens - Es gibt Momente, in denen der Körper den Geist einholt. In denen die Stimme, die uns trägt, selbst zerspringt. Florence Welch. Frontfrau ihrer Formation The Machine, hat diesen Moment während einer Tour erlebt – auf der Bühne, zwischen Licht und Schweiß. Eine Operation riss sie aus dem Sog des Dauerhaften. Sie stand am Rand dessen, was bleibt, wenn alles Äußere – Bühne, Applaus, Kostüm – entfernt ist. In jener Operation liegt der Keim dieses Albums. „Everybody Scream“ ist das Danach – die Heimkehr in ein verletztes, aber wieder atmendes Dasein. Der Schrei als metaphysische Geste Bevor es Sprache gab, gab es Laut – den Ausdruck des Lebens, das sich wehrt, das sich bemerkbar macht im Dunkel. Das neue Meisterwerk von Florence+The Machine ist ein solcher Laut: kein wohlgeformter Satz, kein diszipliniertes Gedicht. Welch verwandelt den Schrei in Ritual: eine Rückkehr zur Ursprünglichkeit der Stimme, jenseits von Pop und Pose. Ihr Schrei erinnert daran, dass der Mensch immer noch ein Wesen ist, das spürt, blutet, träumt. Und dass Kunst, wenn sie wahr ist, nicht beruhigt – sondern beunruhigt. Der Schmerz als Substanz Der Titeltrack Everybody Scream klingt, als würde jemand versuchen, den Schmerz zu rhythmisieren, ihn in Schönheit zu verwandeln, ohne ihn zu verraten. Der Song „Witch Dance“ tanzt wie ein Nachhall durch die Asche – erdig, zornig, schön. Es ist das Lied der Wiedererweckung, eine Beschwörung der Urkraft, um das Ungezähmte in uns zurückzuholen. Dann gibt es sanftere Momente, die atmen lassen zwischen den Stürmen. „Perfume and Milk“, ein Lied, das wie Haut klingt. Hier treffen Duft und Erinnerung aufeinander, als würde jemand versuchen, die Welt durch Sinnlichkeit zu heilen. Sämtliche Stücke tragen die Narbe wie eine Melodie. Der Atem ist hörbar – nicht als Schwäche, sondern als Beweis, dass da noch etwas lebt. Das Album „Everybody Scream“ klingt wie ein Körper, der seine Stimme wiederfindet, wie eine Seele, die gelernt hat, dass Schmerz kein Ende ist – sondern ein Tor. ANNA LILA MAY Bild: Universal Music
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