![]() | Jazz_News_26.12.25 SQUEAKY FEET - DIE PARFORCE-REITER DES PROGEs ist richtiggehend atemberaubend, was Squeaky Feet mit gerade mal zwei Alben für einen aufwühlend-abenteuerlichen Sound hingelegt haben. Während das Debüt „Cause For Alarm“ eine Schlacht der unterschiedlichsten Genres war, wild und verwegen, ist Nachfolger „Overview Effect“ ein Jahr später im Handel, ein eher strukturierter „Ball bizarr“. Gitarrist Greg King sieht das beim telefonisch geführten Interview genauso: „Die Neue ist ein wenig kürzer als der Vorgänger geworden“, sagt er, „daher fasert sie stellenweise nicht mehr so aus. Der Erstling mag ultra-cool gewesen sein durch all seine Unberechenbarkeit. Doch mir gefällt das etwas Fokussierte der Aktuellen eher noch besser. Man kann beim Hören endlich mal nach Luft schnappen.“ Das Quintett aus Denver/Colorado ist unberechenbar und äußerst vital in einem wahnwitzigen Mix aus erhabenem Prog, treibendem Jam-Jazz und quirliger Fusion. „Wir lieben allesamt die unterschiedlichsten Stilrichtungen und Bands, das kann Porcupine Tree, Rush, Return To Forever oder Grateful Dead und auch Yes sein“, schwärmt der 33jährige King. „Außerdem haben wir durch die Bank Musik studiert, besitzen dadurch ein akademisches Hintergrund-Wissen. Das alles schlägt sich in unserem Sound nieder.“ Squeaky Feet sind zwischen Ende 20 und Mitte 30 und erst seit 2018 unter ihrem aktuellen Namen präsent. Doch die Historie ist um einiges länger, meint King, sie liegt 15 Jahre zurück. „Der zweite Gitarrist Colin Shore, unser Drummer Kevin D’Angelo und ich haben uns am Berklee College Of Music getroffen, aber erst, nachdem wir von der US-Ostküste nach Colorado umgezogen sind, haben wir beschlossen, ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen.“ In Denver wurden bald die restlichen zwei Bandmitglieder gefunden, und zwar „an einer Musikschule, wo wir alle unterrichten“, berichtet Greg King und ergänzt: „Unser Keyboarder Brian Keller hat ebenso wie wir Musik studiert, und unser ähnlicher Background hat einen großen Einfluss darauf, wie wir komponieren, kommunizieren und improvisieren. Ebenfalls Bassist Jimmy Finnegan ist so gepolt.“ Ehe Squeaky Feet ein Studio betraten, haben sie jede Menge Konzerte bestritten. „Das war unsere Lehrzeit“, meint Greg, „ohne diese ganzen Gigs hätte wir nicht die Energie besessen, die sterilen Studiomauern in einen brodelnden Club zu verwandeln.All die Shows irgendwo zwischen Punk, Jazz und Prog waren extrem wichtig, um unsere musikalische Ausbildung voranzutreiben.“ Die Auftritte sorgten zudem dafür, dass aus den anfänglichen Kommilitonen und Partnern im Laufe der Zeit echte Freunde werden, wie King nachdrücklich betont. Ebenfalls großen Einfuss auf den originellen eigenen Sound hatte der Umstand, dass die fünf „Füße“ unterschiedlichste musikalische Idole besitzen. „Okay, als Basis können wir uns auf Yes, King Crimson, Porcupine Tree und Rush einigen“, analysiert Greg. „Dann allerdings kommen auch die Beach Boys, John Coltrane oder die Sex Pistols ins Spiel. Ein kurioser Haufen Buntes, der den eigenen Stoff prägt.“ Auch der Groove spielt eine wegweisende Rolle bei Squeaky Feet, „denn Tanzen ist ein archaisches Ritual“, ist Greg überzeugt, „und kommt in jeder ernstgemeinten Musik vor. Man wird nur als seriöser Künstler gesehen, wenn die Beine beim Hören Deiner Harmonien automatisch zu zucken beginnen.“ Die durchaus philosophischen Texte sind „eine Gemeinschaftsarbeit“, erklärt Greg. „Man muss sich eine Art „Speaker’s Corner“ vorstellen, bei dem jeder frei und aus tiefem Herzen seine Meinung raus lassen kann. Daraus basteln wir im Anschluss unsere Reime. Viel diskutiert wird dabei nicht. Wir sind Basis-Demokraten, deshalb darf jeder seine Ansichten von sich geben, ohne Rücksicht auf Verluste.“ Nun hofft die Band, dass sie von ihren Alben eine Menge Kopien verkaufen, „damit wir möglichst anno 2026 Konzerte im Rest der Welt außerhalb der USA organisieren können“, ist Greg voller Hoffnung. „Ich bin mir sicher, dass wir live die Welt im Sturm erobern werden.“ MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK Bild: Clemens Väth
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