Pop_News_26.12.25
WISHBONE ASH - GITARREN-REVOLUZZER

WISHBONE ASH - GITARREN-REVOLUZZER

Dass Wishbone Ash einen Platz im Rock-Olymp sicher haben, dafür gibt es exakt zwei Gründe - zwei Gitarren. Klar, es ist alles andere als ungewöhnlich, dass in einer vierköpfigen Rock-Band zwei Menschen am Sechs-Saiter zugange sind. Allerdings gab es vor Wishbone Ash keine Formation, bei der zwei Gitarren unisono gespielt wurden, was den einzigartig dichten Sound des Londoner Quartetts auszeichnet.
Zu Beginn, also seit der Gründung im Jahr 1969, war es nicht einfach, zwei gleichberechtigte Gitarristen in einer Gruppe zu haben, erinnerte sich Andy Powell, eines der Gründungsmitglieder der englischen Quartetts, „denn Ted Taylor und ich, wir waren beide 19 Jahre alt, heißblütige Jungspunde und mit einem Ego bis zum Platzen gefüllt. Wir wollten zunächst keine Emanzipation untereinander - doch weil wir nach kurzer Zeit dicke Freunde wurden, haben wir rasch die Chance erkannt, die permanent ausgetragene Gitarrenduelle unter innovativem Aspekt bieten."
So kam es zum inzwischen legendären Wishbone Ash-Klang, der kernigen Rock, verträumten Folk, balladenhaften Gesang und traumhafte Dynamik miteinander vermengt. Das erkannte auch ein breites Publikum an, das den innovativen Vierer bereits seit seinem namenlosen Debütalbum aus dem Jahr 1970 mit offenen Armen aufnahm. Es folgten vier wegweisende Jahre für das englische Quartett, kommerziell wie kreativ: Die nachfolgenden Scheiben PILGRIMAGE, ARGUS, WISHBONE FOUR und der Live-Doppeldecker LIVE DATES katapultierten die Gruppe in die Charts und verschafften ihr den Stellenwert einer der wichtigsten europäischen Rock-Formationen ihrer Zeit, die sich diesen Status vor allem als Bühnen-Ereignis verdiente.
1974 allerdings wurde die Band erstmalig - und im Laufe der Zeit immer wieder - umbesetzt, was ihr nicht immer gut tat. Wishbone Ash mutierte mehr und mehr zu einer konventionellen und damit austauschbaren Melodic Rock-Truppe. Die einst anregenden Gitarrenschlachten und der außergewöhnliche, glasklare Folk-Rock-Sound liefen häufig ins Leere, die aufsehenerregende Rockmotorik verlor ihren Reiz. Kein Wunder, dass ab den späten 1970ern die Plattenverkäufe rapide rückläufig waren.
Dennoch, Andy Powell war sich der unglücklichen Entwicklungshistorie „seiner“ Band zwar bewusst, hat Wishbone Ash aber dennoch stets die Treue gehalten. Dass Wishbone Ash weiterhin relevant sind, merkt man daran, dass zu ihren Konzerten verstärkt jüngeres Publikum kommt. Womit bewiesen ist: Einst waren die Briten Revoluzzer, heutzutage sind sie jenseits von Zeit und Raum. Ab Januar geht es wieder auf Deutschland-Tournee.

MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK

Bild: Olly Hahn


TOURDATEN:
09.01.2026, Isernhagen, Blues Garage
10.01.2026, Affalter, Zur Linde
12.01.2026, Nürnberg, HIRSCH
13.01.2026, München, Ampere
14.01.2026, Wien (AT), Reigen Kulturhaus
16.01.2026, Regensburg, Alte Mälzerei
17.01.2026, Freiburg, Jazzhaus
19.01.2026, Krefeld, Kulturfabrik Krefeld
20.01.2026, Bonn, Harmonie
22.01.2026, Wuppertal, Live Club Barmen
24.01.2026, Worpswede, Music Hall
02.02. 2026, Berlin, FRANNZ Club
03.02. 2026, Hamburg, Fabrik
05.02. 2026, Dortmund, Musiktheater Piano
06.02. 2026, Reichenbach, Die Halle
07.02. 2026, Pratteln (CH), Z7 Konzertfabrik
09.02. 2026, Bensheim, Musiktheater Rex – Kulturdenkmal Güterhalle
10.02. 2026, Aschaffenburg, Colos-Saal
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