High Fidelity_News_26.05.17
High End: Streit um MQA

High End: Streit um MQA

„High Definition“ ist in aller Munde: „4k“ beim Fernseher – also rund 4000 Bildpunkte pro Zeile – und „High Resolution“ oder kurz „HiRes“ bei der Musik. Solche Audio-Aufnahmen werden bei der Digitalisierung in extrem kurzen Zeitabständen abgetastet, um besonders hohe Frequenzen jenseits des normalen Hörbereichs und kurz aufeinanderfolgende Schall-Impulse übertragen zu können. Hoch aufgelöste Musik gibt es längst auf Tonträgern (SACD, DVD-Audio, Blu-ray Disc) und als Download-Dateien. Beim Musik-Streaming erfordern sie aber schnelle Internet-Zugänge, die nicht jeder Haushalt hat. Britische Forscher haben deshalb ein Format namens MQA („Master Quality Authenticated“) entwickelt, das es erlaubt, diese großen Datenmengen so zu verpacken, dass sie sich einigermaßen handlich in Echtzeit übertragen lassen. Der Streaming-Dienst Tidal bietet schon zahlreiche Alben in diesem Format an, insbesondere von Warner Music. Auf der High-End-Messe in München stellten etliche Hersteller Geräte vor, die MQA decodieren können, darunter bekannte Namen wie Technics, Onkyo oder Pioneer. Auch erschwingliche Geräte sind dabei, wie etwas der Mini-D/A-Wandler „Pre Box S2 digital“ von Pro-Ject für 350 Euro (Foto). Aber es gibt auch Kritiker, die dem MQA-Format unerwünschte Verfälschung des Originals vorwerfen. Auch Tester in HiFi-Zeitschriften sind unterschiedlicher Meinung, aber einige loben die Klangverbesserung durch MQA gegenüber dem CD-Standard. Unterdessen hat der französische Streaming-Dienst Qobuz eine völlig verlustfreie Echtzeitübertragung der Original-HiRes-Daten gestartet, also ohne MQA. Das Abo-Modell nennt sich „Sublime+“ und bietet für 350 Euro pro Jahr den vollen Zugriff auf über 60.000 Alben in High-Resolution, mit Abtastraten bis zu 192 kHz. Qobuz argumentiert: „Wenn wir heute Videos von Netflix & Co. in 4k streamen können, dann doch erst recht unkomprimiertes HiRes-Audio.“ Der Rest des Katalogs, der nicht in HiRes verfügbar ist, kann in Standard-CD-Auflösung gestreamt werden. Außerdem gewährt Qobuz den Sublime+-Abonnenten erhebliche Rabatte auf Downloads. Denn viele Kunden, so Qobuz, nutzen das Streaming, um neue Musik kennenzulernen, möchten aber ihre Lieblingsalben dennoch downloaden, um die dauerhaft zu besitzen.
www.mqa.co.uk, www.qobuz.de, www.project-audio.com
(Foto: Pro-Ject)
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tonart Ausgabe Winter 2018/4

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