Pop_News_08.03.17
Standpunkt: Dieter Falk

Standpunkt: Dieter Falk

Kirche ohne Musik wäre seelenlos. Ihr würde die Emotion fehlen und damit ein entscheidender Zugang zum Wort Gottes. Das hat Luther erkannt. Er hat populäre Volkslieder von der Straße in die Kirchenbänke geholt und damit „dem Volk aufs Maul geschaut“.
Von Martin Luther King ist dieses Zitat überliefert: „Mein Namenspatron hat mir beigebracht: Eine Bewegung wird erfolgreich sein, wenn sie singt.“ Wie Recht hat er und wo kann man Kirche mehr fühlen, wo gibt es eher Kirche zum Anfassen, als wenn Melodien „kleben“ bleiben, wenn der Rhythmus den ganzen Körper erreicht und wenn der gemeinsame Gesang zum Beispiel in einem Chor wie ein positiver Virus ansteckt. 
Manchmal denke ich, dass unsere Kirche auch eine kleine Kultur-Reformation nötig hätte. Nicht missverstehen: keiner will Choräle, Bach und Buxtehude abschaffen. Die richtige Mischung macht’s und in der Vielfalt sehe ich große Chancen. Das, was manchmal als neues Liedgut gepriesen wird, hat allerdings auch schon 50 Jahre auf dem Buckel.
Aber muss Kirche nicht auch Spiegelbild der aktuellen Gesellschaft sein? Muss sie nicht in Kontakt kommen mit dem, was den Menschen heute wichtig ist, auch musikalisch?
Der Bildungsauftrag ist schön und gut, aber lutherisch war auch, dem Volk entgegen zu gehen. Sich auf die aktuellen, mehrheitlichen Hörgewohnheiten der Menschen einzulassen. Das vermisse ich oft im Gottesdienst-Alltag. 
Aber: es gibt Hoffnung. Der (europaweit) erste Bachelorstudiengang Kirchenmusik Pop/Jazz in Witten geht in sein zweites Jahr, an allen Kirchen-Musikhochschulen fragen Klassik-Studenten nach Unterricht von Pop, Rock und Jazz.
Begreifen wir das Reformationsjubiläum auch hier als eine Chance  kulturell frischen Wind in die Kirche zu bringen.

Dieter Falk, Komponist des Pop-Oratoriums „Luther“, Musikproduzent u.a. für PUR, Paul Young & Patricia Kaas, Professor an der Robert-Schumann Musikhochschule in Düsseldorf und an der evgl. Pop-Akademie in Witten. Falk hat derzeit eine Solo-CD mit Luther-Liedern veröffentlicht: „A tribute to Martin Luther“ (DGG/Universal).
Dieter Falk (Bild: Jörg Steinmetz/Universal)
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